Wer hätte gedacht, dass eine Nähstunde so eskalieren kann? Die Szene in Anjas zweiter Akt, in der der junge Mann plötzlich blutend am Boden liegt, ist schockierend realistisch gefilmt. Die Kamera fängt jede verzerrte Miene der Umstehenden ein. Besonders die ältere Dame im grünen Mantel wirkt wie eine Richterin über das Geschehen. Die Atmosphäre ist so dicht, dass man fast den metallischen Geschmack des Blutes im Raum riechen kann.
Die Frau im blauen Anzug hat einen Blick, der durch Mark und Bein geht. In Anjas zweiter Akt wird klar, dass sie nicht nur Zuschauerin ist. Ihre ruhige Art, wie sie die Nadel hält und dann den Verletzten berührt, deutet auf eine dunkle Vergangenheit hin. Ist sie Täterin oder Retterin? Die Ambivalenz ihrer Charakterzeichnung macht diese Serie so fesselnd. Man traut ihr alles zu, und genau das ist das Geniale daran.
Die Dynamik zwischen den Männern im weißen Hemd ist pure Hysterie. In Anjas zweiter Akt rennen sie panisch umher, während die Frauen die Situation zu kontrollieren scheinen. Es ist eine interessante Umkehrung klassischer Rollenbilder. Der Mann am Boden wird zum Opfer, während die Frauen die Macht übernehmen. Die Inszenierung des kollektiven Schocks ist so intensiv, dass man selbst den Atem anhält.
Bevor das Blut fließt, gibt es einen Moment der absoluten Stille. In Anjas zweiter Akt sieht man die Frau im schwarzen Kleid konzentriert nähen. Diese Ruhe ist trügerisch und baut eine enorme Spannung auf. Wenn dann der Schrei kommt, ist die Wirkung umso stärker. Die Regie versteht es, mit solchen Pausen zu spielen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Ein Lehrstück in Sachen Suspense.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite die elegante Kleidung der Frauen, auf der anderen die rohe Gewalt des Vorfalls. In Anjas zweiter Akt trägt die Frau im blauen Anzug Perlen und Tweed, während sie sich über die blutende Leiche beugt. Diese Ästhetisierung des Schreckens ist verstörend und faszinierend zugleich. Es zeigt, wie dünn die Zivilisationsschicht wirklich ist.