Man merkt sofort, wie der Wein die Stimmung kippen lässt. Zuerst noch höfliches Gelächter, dann lautes Grölen und schließlich totale Betrunkenheit. Besonders der Typ in der Lederjacke zeigt, wie schnell die Fassade bröckelt. In Wir waren eine Familie wird Alkohol nicht nur getrunken, er entlarvt die wahren Charaktere der Gäste auf schonungslose Weise.
Was als elegantes Dinner begann, endet in einem Schlachtfeld aus Essensresten und leeren Flaschen. Die Kameraführung fängt diesen Verfall perfekt ein. Man sieht förmlich, wie die Energie im Raum von gespannter Erwartung zu chaotischer Erschöpfung umschlägt. Wir waren eine Familie zeigt hier meisterhaft, wie dünn die Decke der Zivilisation wirklich ist.
Der Kontrast zwischen dem lauten Gelächter der Betrunkenen und der stillen Enttäuschung des Rückkehrers ist unglaublich stark. Während alle anderen im Rausch versinken, muss er die Realität aufräumen. Diese Szene in Wir waren eine Familie trifft einen emotionalen Nerv, weil sie zeigt, dass man manchmal allein für die Konsequenzen anderer geradestehen muss.
Es ist erschreckend zu beobachten, wie sich die Gäste verhalten, sobald der Gastgeber den Raum verlässt oder abgelenkt ist. Das Lachen wirkt plötzlich gezwungen, die Gesten übertrieben. Wir waren eine Familie entlarvt diese Dynamik sozialer Zusammenkünfte gnadenlos. Niemand ist hier wirklich er selbst, alle spielen nur eine Rolle für das Publikum am Tisch.
Als der Mann im braunen Sakko die Tür öffnet und den Zustand des Raumes sieht, braucht es keine Dialoge. Die Kamera zoomt auf seine Schuhe, die durch den Müll stapfen, und das reicht völlig. Diese visuelle Erzählweise in Wir waren eine Familie ist stark. Man fühlt den Schmerz und die Enttäuschung des Protagonisten, ohne dass ein Wort gesprochen werden muss.