Die kurze Einblendung der Szene mit dem aggressiven Mann im braunen Anzug wirft so viele Fragen auf. Warum wurde die Frau gefesselt? Was hat das mit dem Arzt zu tun? Diese Puzzleteile machen Vertrag mit dem Schicksal so spannend. Es ist diese Mischung aus psychologischem Thriller und Familiendrama, die mich fesselt. Man will unbedingt wissen, was wirklich hinter der Fassade des Arztes steckt.
Besonders beeindruckend ist die Ruhe vor dem eigentlichen Ausbruch. Die Frau kämmt sich die Haare, als wäre alles normal, doch ihre Augen verraten die Angst. Der Kontrast zwischen der hellen, modernen Wohnung und der düsteren Stimmung ist genial. In Vertrag mit dem Schicksal wird gezeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn die Realität auf eine verdrängte Vergangenheit trifft. Gänsehaut pur.
Der Arzt versucht zwar, professionell zu wirken, aber sein Blick im Spiegel verrät Unsicherheit oder vielleicht sogar Schuldgefühle. Als die Frau ihn im Spiegel sieht, ändert sich ihre Miene sofort. Diese nonverbale Kommunikation in Vertrag mit dem Schicksal ist erstklassig. Es braucht keine lauten Schreie, um Spannung aufzubauen, manchmal reicht ein einziger Blickkontakt im Spiegel völlig aus.
Am Ende sieht man den Arzt draußen, wie er weggeht, während andere Personen auf das Haus zulaufen. Dieser Übergang von der claustrophobischen Innenszene zur weiten Außenaufnahme bringt eine neue Dynamik rein. In Vertrag mit dem Schicksal fragt man sich sofort: Wohin läuft er? Und wer sind die Leute, die da kommen? Die Erzählung lässt einen mit einem riesigen offenen Ende zurück.
Die Enge des Raumes spiegelt die gefangene Psyche der Protagonistin wider. Jede Bewegung des Arztes hinter ihr wirkt wie eine Invasion ihres persönlichen Raums. Wenn sie dann ausrastet und das Obst verteilt, ist das ein Befreiungsschlag. Vertrag mit dem Schicksal versteht es, alltägliche Gegenstände wie einen Kamm oder einen Spiegel zu Symbolen der Bedrohung umzufunktionieren. Sehr stark inszeniert.