Als die Frau im blauen Westchen lächelt und die andere ernst dreinschaut, weiß man sofort: Hier läuft etwas gewaltig schief. Taub für dich versteht es, solche sozialen Dynamiken ohne große Dialoge zu erklären. Der Blickkontakt ist hier die eigentliche Handlung.
Die halle mit den hohen Fenstern und dem blauen Licht wirkt fast schon unwirklich steril. In Taub für dich dient dieser kühle Hintergrund als perfekte Kulisse für die emotional aufgeladenen Beziehungen. Das Lichtdesign unterstreicht die Distanz zwischen den Figuren hervorragend.
Das Anstoßen mit den Weingläsern wirkt hier weniger wie eine Feier und mehr wie eine Waffenruhe. In Taub für dich ist jeder Schluck Wein gefüllt mit unausgesprochenen Vorwürfen. Die Körpersprache des Paares im braunen Anzug schreit förmlich nach Konflikt.
Die Stickereien auf dem weißen Oberteil der einen Dame sind ein wunderschönes Detail. Taub für dich nutzt diese Kostüme, um Charaktertiefe zu zeigen. Während die anderen im Glitzern versinken, wirkt sie durch ihre traditionelle Kleidung fast wie ein Fels in der Brandung.
Besonders stark ist die Szene, in der alle in verschiedene Richtungen blicken. Niemand schaut dem anderen wirklich in die Augen. Taub für dich zeigt hier perfekt, wie man sich in einer Menschenmenge einsam fühlen kann. Die Regie hat hier ein Händchen für psychologische Nuancen.